Olympia-Qualifikation verloren, Respekt gewonnen

Frank 27. Januar 2012 0
Olympia-Qualifikation verloren, Respekt gewonnen

Die deutschen Handballer erreichen das Ziel der Olympiaqualifikation nicht. Durch ihr Auftreten gewinnen sie dennoch den Respekt zurück, den sie bei den vergangenen Turnieren eingebüsst haben. Und das vor allem bei den gegnerischen Teams. Diese zeigen sich von den Leistungen des deutschen Teams überrascht.

Das dänische Team gehörte vor dem Turnier zu den wenigen Mannschaften, denen man zugetraut hat, die Franzosen zu schlagen. Deutschland gehörte nicht wirklich zu den Mannschaften, vor dem sich die Skandinavier fürchteten. ‘”Vor dem Turnier habe ich gedacht, dass wir ein leichtes Spiel gegen Deutschland haben werden. Sie haben mich aber sehr überrascht, mit welcher Moral sie hier aufgetreten sind. Spielerisch stark verbessert und hinten mit einer harten Abwehr. Das hätte ich nicht erwartet”, so Lars Christiansen stellvertretend für das gewachsene Ansehen des deutschen Teams.

Es war nicht die einzige Überraschung bei dieser EM. Es kam vieles anders. Wer hätte vorher gedacht, dass die Franzosen nicht einmal ins Halbfinale kommen, die hochgehandelten Daenen mit 0 Punkten aus der Vorrunde heraus kommen und die Mazedonier dem europäischen Handball ihren Stempel aufdrücken? Und wer hätte dem deutschen Team vorher zugetraut, um das Halbfinale mitzuspielen?  Niemand!

Als das Auftaktspiel gegen die Tschechen verloren ging, stellte sich ganz Handball-Deutschland auf das Vorrunden-Aus ein. Die Presse sprach schon mal von desolaten Leistungen, falscher Nominierungen und fehlender Führungsspieler. 5 Spiele später sah dien Welt auf einmal ganz anders aus. Man träumte vom Halbfinale und ist enttäuscht ueber die knappe Niederlage gegen die Dänen, die vor ein paar Tagen noch völlig unerreichbar schienen.

Was ist passiert? Dem ängstlichen Auftritt zu Beginn der EM folgte das entscheidende Spiel gegen den Underdog aus Mazedonien, die von deutschen Experten als zweitklassig belächelt worden sind. Ein Spiel, in dem sich für viele Experten die nahe Zukunft des deutschen Handballs entscheiden würde. Deutschland drohte als Handballnation weiter abzustürzen. In diesem Spiel zeigte sich etwas ganz Entscheidendes: Charakter. Es war nicht die spielerische Klasse, die Mut machte. Das Team bestach vielmehr durch grossen Willen, in der Hölle von Nis zu bestehen und es allen zeigen zu wollen. Gegen einen Gegner, von dem man heute sagen muss, dass er mehr als Fallobst ist, sondern ein ernst zunehmender Kontrahent. Vor allem, weil die frenetischen Anhänger die Mazedonier zu wahren Höchstleistungen treiben.

Nach dieser bestandenen Reifeprüfung brachen die Dämme. Schweden wurde quasi überrannt, nicht wenige sprachen von der besten Leistung einer Nationalmannschaft seit vielen Jahren. Den Serben wurde ein Punkt abgeknöpft, obwohl man teilweise einem Rückstand von 8 Toren hinterherlief. Gegen Dänemark und Polen zog man nach grossem Kampf knapp den Kürzeren. Auch in diesen Spielen war das eigene Spiel beileibe nicht fehlerlos, der Rückraum teilweise wenig durchschlagskräftig, die Angriffsleistung insgesamt zu fahrig. Aber die Mannschaft hat Negativerlebnisse schnell wegstecken können und immer wieder Rückstände aufgeholt. Diese Eigenschaft macht Mut und zeigt ein neues Selbstvertrauen, dass Martin Heuberger seinen Jungs eingeplanzt hat.

Am Ende hat es trotzdem nicht gereicht, das Minimalziel der Olympiaqualifikation verpasst. Es passt zur deutschen Mentalität, dass plötzlich wieder alles schlecht geredet wird und die Spieler als Versager abgestempelt werden. Nicht nur in der Nachberichterstattung, sondern auch viele Kommentare von Fans gehen in diese Richtung. Wahnsinn, wie schnell so etwas gehen kann. Dabei ist man nur 2 Tore am Halbfinale vorbeigeschrammt und landete in der Endabrechnung vor den Franzosen. Wer hätte das gedacht?

Es tut weh, bei einem so grossen Turnier wie der Olympiade nicht dabei zu sein. Aber es ist nicht der Untergang des Handballs in Deutschland. Es ist nur eine Auszeit, die dazu führen muss, den personellen Umbruch einzuleiten bzw. fortzuführen. Der Anfang ist Martin Heuberger und seinem Team dabei gelungen, auch wenn das Ziel verfehlt wurde. Die Olympia-Quali wurde bei der letzten WM verspielt, nicht jetzt.

Was bleibt ist die Tatsache, dass sich die deutschen Handballer Respekt erspielt haben. Mehr nicht-aber auch nicht weniger.

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