Die Suche nach der Sensation

Frank 2. Februar 2012 0
Die Suche nach der Sensation

Alle Jahre wieder auf der Suche nach Erklärungen für das “schlechte” Abschneiden einer deutschen Handball-Nationalmannschaft drehen sich die Erklärungsversuche der Verantwortlichen um die Einsatzzeiten deutscher (Nachwuchs-) Spieler in der HBL. Zu dominant ist die Rolle ausländischer Stars in der Liga, in der sich kaum ein Nachwuchstalent durchsetzt und zu internationaler Klasse reift. Die unter Druck stehenden Bundesliga-Clubs verweigern sich einem Umdenken und bauen lieber auf fertige ausländische Stars. Diese sind in Hülle und Fülle vorhanden. Finanzstarke Clubs gibt es nirgends so geballt wie in der HBL. Die spanische Liga als größter Konkurrent um das Prädikat “stärkste Liga der Welt” steht vor dem finanziellen Kollaps.

Die “ewige Diskussion” zwischen Verband (hier mahnte Heiner Brand seit Jahren) und HBL endet aber wahrscheinlich wieder einmal in der Sackgasse. Warum sollte sich ausgerechnet jetzt etwas ändern? Nur weil die olympischen Spiele verpasst werden, heißt das noch lange nicht, dass der Handball hier im Lande unpopulärer wird oder dass die Liga die Auswirkungen des sportlichen Misserfolgs der Nationalmannschaft spüren würde. Warum auch? Die Liga-Spiele haben meist regionalen Charakter, die eingefleischten Fans kommen bei jedem Wetter. Den deutschen Meistertitel und Europas Krone vor Augen interessiert die Zukunft der Nationalmannschaft doch eher weniger, wenn wir ehrlich sind. Im Preis-Leistungsverhältnis entscheidet der europäische Markt, nicht der deutsche.

Die verpasste Qualifikation nutzt die Sportpresse dazu, eine Geschichte zu erzählen. Die vom Absturz des deutschen Handballs. Fakt ist: Zur Zeit bewegt sich die Nationalmannschaft im Mittelfeld. Sie gehört nicht in die Weltspitze, aber auch nicht zu den absoluten Versagern dieser EM. Platz 7 bei einer EM entspricht dem Leistungsstand.

Eine Woche nach der Niederlage gegen Polen ist die Geschichte allerdings noch nicht zu Ende, sondern wird künstlich hochgehalten. Der oft zitierte Super-Gau entpuppt sich als Betriebsunfall und bietet keinen weiteren Gesprächsstoff. Die Diskussion über die fehlende Anschlussförderung unserer Nachwuchsleute wurde zu oft gehört und zieht nicht mehr. Stattdessen wird die Aussage von Silvio Heinevetter ausgeschlachtet, Uli Strombach hätte keine Ahnung vom Handball. Das erinnert mich an die Aussage von Stefan Kretzschmar, der zu den Strukturen des DHB einst sagte: “Der Fisch stinkt vom Kopf”.

Natürlich, man kann Strombach für seine Sturköpfigkeit und Arroganz kritisieren. Die Aussage vor dem Dänemark-Spiel “wir können eine Medaille gewinnen” war sicher unglücklich gewählt. Aber es sollte auch nicht überbewertet werden. Es ist Strombachs Art, sich nicht in sportliche Belange einzumischen und den Kontakt zu den Spielern während einer EM möglichst gering zu halten. Es reicht aber nicht aus, um jemanden derart zu verurteilen und in seiner Arbeit zu beurteilen.

Eines hat die Sensationgier der schreibenden Zunft allerdings jetzt schon bewirkt: Handball ist weiterhin Gesprächsthema. Pünktlich zum Allstar-Game am Samstag in Leipzig ist für Gesprächsstoff gesorgt, mit Spannung darf verfolgt werden, wie Strombach auf die Angriffe Heinevetters reagieren wird.

Danach gehen zum Glück die Bundesliga und die Champions League wieder los. So, als wenn nichts passiert wäre.

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