Es muss gehandelt werden

Frank 15. Februar 2012 0
Es muss gehandelt werden

Auf die wiederholte Kritik von Silvio Heinevetter an DHB-Präsident Uli Strombach folgten die sympathisierende Bekundung von Teamkollege Oliver Roggisch und die Forderung von Thorsten Storm nach einem „Handball-Bierhoff“. Trotzdem sieht sich der DHB immer noch nicht aufgefordert zu reagieren. Anfangs fand ich den Umgang Strombachs mit der Situation noch unaufgeregt und erhaben („das sind doch Peanuts“), jetzt frage ich mich allerdings, ob es das schon gewesen sein kann.

Denn dabei ging es ja nicht um die Meinung eines Einzelnen, sondern Storm und auch Bob Hanning pflichteten Heinevetter bei, dass die Strukturen beim DHB dringend erneuert werden und der Laden in Zukunft professioneller aufgestellt werden müsse. Diese Unterstützung hat die Diskussion auf eine andere Ebene gehoben und ging weg von der persönlichen individuellen Kritik Heinevetters.

Überraschenderweise hat all das aber keine Reaktion des DHB hervorgerufen. Es scheint, als würde das Krisenmanagement des größten Handballverbands der Welt aus Verharren und Aussitzen bestehen. Oder aber es wird gar nicht als Krise gewertet, womit man aber auch dem Berliner Handballmacher Hanning wenig Respekt entgegen bringt.

Was auch immer die Gründe sind – nachzuvollziehen ist das Verhalten der DHB-Führung nicht. Gar keine Kommunikation als Reaktion auf die verbalen Angriffe ist die denkbar schlechteste Lösung und lässt die Autorität, Akzeptanz und das Ansehen des Verbandes weiter bröckeln. Gelegenheit zur Stellungnahme gab es beim Allstar-Game Anfang Februar in Leipzig, wo sich jedoch bis auf Bundestrainer Martin Heuberger kein Verantwortlicher der Situation stellte. Letztendlich ist der Umgang mit dieser Krise ein Offenbarungseid. „Augen zu und durch“ als Motto bekräftigen die Kritiker wie auch den Geschäftsführer der Liga Frank Bohmann. Dieser wartete in Düsseldorf bei der größten Sportbusiness-Messe der Welt, der SpoBiS, vergeblich auf die Ankunft Strombachs zu einer Podiumsdiskussion. Diskutiert werden sollte zum Thema: „Warum ziehen Verband und Liga selten an einem Strang?“ Eine Antwort gab es nicht.

Stattdessen nutzte Bohmann in Abwesenheit von Strombach die Plattform, um die mangelnde Professionalität des DHB hervorzuheben, ein fehlendes strategisches Konzept und ein mangelndes Markenmanagement anzuprangern.

Der DHB-Verantwortlichen stehen meiner Meinung nach in der Pflicht, zu reagieren und damit zu zeigen, dass sie keineswegs mit der Gleichgültigkeit agieren, mit der sie auf die gewachsene Kritik bis dato umgegangen sind. Ansonsten liegt der Rückschluss nahe, dass die Kritik allzu berechtigt ist.

Der Handball in Deutschland gibt nach den sportlichen Enttäuschungen der Nationalmannschaft und durch das aktuelle Mismanagement ein erbärmliches Bild ab. Da kann auch das in der Zwischenzeit veröffentlichte Konzept zur Eliteförderung des eigenen Nachwuchses nicht ablenken. Die für die Professionalisierung unabdingbare Hauptamtlichkeit im DHB muss schnell umgesetzt werden.

Wie es gehen kann, zeigte Karl-Georg Altenburg, der neue Präsident des deutschen Tennis-Bundes. Auf der SpoBiS gab er Einblicke in die neue professionelle Struktur des DTB und erklärte, alles neu aufzubauen.

So weit ist der Handball noch nicht gesunken, als dass der Reset-Knopf gedrückt werden muss. Aber zukunftsfähig ist der DHB in der bestehenden Form nicht und es muss jetzt gehandelt werden.

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