Champions League geht in die entscheidende Phase

Frank 3. März 2012 0
Champions League geht in die entscheidende Phase

Die Champions League geht nach dem Abschluss der Gruppenphase in die entscheidende Phase. Zeit, zu resümieren und den Blick auf die kommenden Partien zu richten. Wer hat momentan die besten Chancen auf den Einzug in das Final Four?

Die Gruppe A dominierten die beiden Teams aus Barcelona und Zagreb. Zagreb, dessen Kader in den letzten Jahren personell zu schwach besetzt war und gegen deutsche und spanische Spitzenteams serienmäßig den Kürzeren zog, mausert sich zum Geheimtipp. Durch den Sieg im vorletzten Gruppenspiel in Barcelona deuteten sie an, dass mit ihnen zu rechnen ist. Die Zeiten, in denen man sich auf Balic konzentrieren konnte, scheinen endgültig vorbei. Spieler wie Kopljar sind längst zu Spitzenspielern herangereift, die konstant auf einem hohen Niveau spielen können. Davon konnte man sich auch bei der letzten EM überzeugen, die für die Kroaten ja bekannterweise mit dem 3. Platz zu Ende ging.

Über Barcelona muss man nicht viel sagen: sie sind nach wie vor der Topfavorit auf den Titel. Allerdings müssen sie sich im Achtelfinale mit dem französischen Meister Montpellier HB auseinander setzen. Die haben sich im bisherigen Verlauf der Champions League als größte Enttäuschung entpuppt. Das Team um Superstar Nikola Karabatic schwächelte ähnlich wie die französische Nationalmannschaft. Nach dem überzeugenden Sieg in Kiel kam nicht mehr viel von den Franzosen. Letztlich zitterte man sich mit dem Heimsieg über Pick Szeged gerade noch in die Vorschlussrunde. Einen Sieg gegen den FC Barcelona traut man Montpellier in dieser Situation wohl kaum zu. Dennoch sind sie brandgefährlich und werden sicher alles daran setzen, die Schmach aus den letzten Monaten wieder gut zu machen. Es wird jedenfalls ein Hammerspiel, auf dass ich mich ganz besonders freue. Platzt bei Karabatic einmal der Knoten, ist alles möglich. Das kennen wir aus der Vergangenheit nur zu Genüge.

In der Gruppe B setzte sich erwartungsgemäß Atletico Madrid letztlich souverän durch. Dahinter entbrannte ein Kampf um die Plätze 2-5, den ich so in der Champions League noch nicht erlebt habe. Am Ende fiel mit Medvedi Moskau ein Verein durchs Raster, der vor zwei Jahren noch im Final Four gestanden hat! Veszprem konnte nur mit Glück und einem überragenden Spiel gegen Atletico im letzten Gruppenspiel seinen Vorsprung ins Ziel retten und sich den zweiten Platz sichern. Bei einer Niederlage wären sie auf den 5 Platz zurückgefallen und damit raus! Das zeigt, wie eng es in dieser Gruppe zuging und wie hoch es einzuschätzen ist, dass die Berliner in ihrer ersten europäischen Saison als Vierter weitergekommen sind. Ganz stark! Bis auf das Heimspiel gegen die Madrilenen, wo dem deutschen Vizemeister die Grenzen aufgezeigt worden sind, präsentierten sich die Füchse als echte Spitzenmannschaft. Schade nur, dass am Ende „nur“ der vierte Platz dabei rauskam. Mit dem HSV Hamburg trifft man nun im Achtelfinale auf eine altbekannte Mannschaft aus der Bundesliga. Es ist ein Duell auf Augenhöhe mit viel Brisanz. Bob Hanning, der Macher der Füchse, war einst Trainer der Hanseaten und Mann der ersten Stunde. Ihn verbindet mit dem HSV heute allerdings nicht mehr viel und es wäre sicher eine große Genugtuung für Hanning, mit seinen Füchsen den einstigen Arbeitgeber aus dem Wettbewerb zu kegeln.

Der HSV seinerseits hatte mit seiner Gruppe wenig Mühe, allerdings gehörte auch keiner seiner Gegner zum engsten Favoritenkreis. Ich bin gespannt, ob sich das zum Vorteil für den HSV herausstellt. Gefordert wurden sie im Gegensatz zu den Berlinern kaum und in der Bundesliga konnten sie an die Leistungen aus dem letzten Jahr nie anknüpfen. Dazu noch die ungeklärte Trainerfrage und ein Team, dass vor dem Umbruch steht. Ich kann mir vorstellen, dass wenig von der heilen HSV-Welt aus dem Vorjahr übrig geblieben ist und die Mannschaft ins Schwimmen kommt, sobald sie unter Druck gerät. Diesen Druck haben die Berliner schon in der Gruppenphase ausgehalten und durchgestanden. Ein Vorteil für die Füchse!

Bleibt noch der THW Kiel. Nach anfänglichen „Problemen“ zogen die Zebras auch auf europäischer Ebene einsam ihre Kreise. Beeindruckend, wie diese Mannschaft funktioniert und mit welcher Dominanz und mit welchem Selbstverständnis sie auftritt. Je größer der Druck, umso besser die Leistungen. Wenn ich z.B an das Auswärtsspiel in Montpellier zurückdenke, wo die Gastgeber allein durch Härte versuchten, das Kieler Spiel zu zerstören und die Spieler zu zermürben, war es ein Freude mit anzusehen, dass diese Taktik nicht aufging. Die spielerische Klasse und der enorme Siegeswillen wiegen mehr als brachiale Härte. Die folgende Aufgabe gegen Wisla Plock wird nicht mehr als eine Pflichtaufgabe auf dem Weg ins Final Four.

Der THW Kiel, der FC Barcelona, die AG Kopenhagen und Atletico Madrid haben für mich den stärksten Eindruck hinterlassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Mannschaften in Köln wiedersehen ist allerdings gering.

Insgesamt war die Gruppenphase einer Champions League nie spannender, nie interessanter. Daher freue ich mich jetzt schon auf die kommenden Ausscheidungsspiele und das Final Four in Köln, das sicher das attraktivste Spektakel darstellt, dass der Handballsport auf Vereinsebene zu bieten hat.

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