Wohin führt der Weg im europäischen Vereins-Handball?

Frank 30. März 2012 0
Wohin führt der Weg im europäischen Vereins-Handball?

Die Paarungen für das Viertelfinale sind ausgelost und ich freue mich jetzt schon auf die kommenden Spiele. Denn die bisherige Saison hat gezeigt, dass die Champions League ausgeglichen und für einige Überraschungen gut ist. Dabei fällt auf, dass immer mehr europäische Spitzenmannschaften aufeinandertreffen, die ihre nationalen Ligen absolut dominieren.

Der Blick auf die nationalen Tabellen zeigt, dass sowohl Kiel als auch Barcelona und Montpellier bisher noch ungeschlagen sind. Diese Vereine spielen derart souverän, dass sie noch von keinem nationalen Konkurrenten geschlagen werden konnten. Das macht die nationalen Wettbewerbe einseitig und zum Teil sogar langweilig, den europäischen Wettbewerb Champions League dafür um so interessanter.

Worin liegt diese Dominanz begründet? Vereine, die in der Champions League spielen, brauchen einen Kader, der sich sowohl in der Breite als auch in der Qualität von allen anderen Vereinen abhebt. Schließlich bedeutet die Teilnahme am Final Four in Köln eine erhöhte Belastung durch 16 zusätzliche Spiele. Dieser enorme Mehr-Aufwand kann nur von einem qualitativ hochwertigen und breiten Kader gestemmt werden, um dauerhaft sowohl in der Königsklasse als auch in den nationalen Ligen zu bestehen. Die deutschen und spanischen Top-Mannschaften sind dabei besonders gefordert, denn diese beiden Ligen sind die Einzigen, die mit mehr als 14 Mannschaften an den Start gehen. Die Bundesliga ist dabei mit 18 teilnehmenden Mannschaften die größte und sicher auch interessanteste.

Doch bei aller Begeisterung für die nationalen Ligen liegt der Haupt-Augenmerlk von Vereinen wie Montpellier, Veszprem, Moskau oder Kopenhagen auf der Qualifikation für die Champions League. Sie bietet einen großen Reiz in Form von Mehreinnahmen, die es den Clubs erlauben, ihren Kader weiter zu verstärken.

Den mit Abstand stärksten Kader in Deutschland hat der THW Kiel. Der Rekordmeister legt diese Saison in der Bundesliga eine makellose Serie hin. Diese Dominanz ist dadurch begründet, dass auf der einen Seite das Rotationssystem von Trainer Alfred Gislason greift und sich kein Spieler durch Verletzungen oder Formschwächen eine Auszeit erlaubt. Und wenn doch, werden vereinzelte Ausfälle durch die anderen Spieler kompensiert. Durch die Rotation bleibt die Konzentration extrem hoch, die Pflichtaufgaben in der Bundesliga werden problemlos erledigt.

Auf der anderen Seite schwächeln die Gegner auf Augenhöhe, wie der durch Verletzungen und interne Probleme gebeutelte HSV Hamburg oder die ehemals ambitionierten Rhein Neckar Löwen. Einzig die Füchse Berlin erweisen sich als respektabler Gegner für die Zebras. Allerdings reicht die Breite im Kader der Füchse nicht aus, um den Branchenführer ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Das zeigte auch der souveräne Sieg der Kieler im jüngsten Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs der Bundesliga.

In Spanien ist die Situation ganz ähnlich: auch diese Liga ist drei-geteilt. Vorne machen Barcelona und Madrid die Meisterschaft unter sich aus. Barcelona liegt mit 44:0 Punkten vorne, Madrid mit 42:2 Punkten dahinter. Die Spiele untereinander entscheiden sowohl über die Meisterschaft als auch über den Ausgang der Pokalwettbewerbe.

In  Frankreich liegt Montpellier mit 38:0 Punkten vorne, Veszprem hat in der ungarischen Liga 42:2 Punkte, RK Zagreb dominiert seit Jahren die kroatische Liga. Die Vereine auf dem Balkan erhoffen sich durch die neu gegründete SEHA-Liga zwar einen spannenden Wettbewerb, das Niveau ist im deutschen Vergleich aber nur zwischen der 1. und 2. Bundesliga anzusiedeln.

Aber zurück nach Deutschland und zum Problem der unterschiedlichen Ausgangslagen der Bundesliga-Vereine: Der gewachsenen Struktur des THW Kiel als echte Sieger-Marke stehen viele regionale oder traditionelle Marken gegenüber. Die kleineren Vereine können keine großen Zuschauer- und Fan-Gruppen ansprechen und haben es schwer, neue Sponsoren, Förderer und Zuschauer zu generieren. Handball in kleinen Orten hat provinzielle Probleme und ist in seinen Möglichkeiten aus strukturellen Gründen (Etat, Sponsoren-Abhängigkeit, Hallenkapazitäten, Nachwuchs-Sorgen)limitiert. Mit Berlin und Hamburg wird nur in zwei großen deutschen Städten erstklassig Handball gespielt. Zu wenig, um die Sportart in Deutschland marketingwirksam und medial voranzutreiben.

Nach dem Weltmeister-Titel 2007 viele Versuche, in große Arenen umzusiedeln. Nachhaltig geschafft hat es keiner, die Euphorie ist mittlerweile purer Ernüchterung gewichen. Gründe für die mangelnde Fanbindung aus der anfänglichen Neukunden-Gewinnung könnten die fehlende Markenidentität, kein nachhaltiges Marken-Management bei den Vereinen oder der geringe Erfolg der Nationalmannschaft nach 2007 sein. Vielleicht ist in Deutschland neben dem großen Bruder Fußball auch einfach kein Platz für eine zweite Sportart mit mehreren großen international erfolgreichen Vereinen.

Das Modell der Europa-Liga wird in naher Zukunft immer interessanter werden. Dazu sollte aber in den europäischen Metropolen Handball stattfinden. Kopenhagen belegt eindrucksvoll, wie es funktionieren kann. Die AG ist schon im zweiten Jahr seines Bestehens Dänemarks drittbeliebteste Marke und peilt einen neuen Weltrekord an: Über 30.000 Fans werden das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Barcelona im Kopenhagener Bröndby-Stadion verfolgen.

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